Artikel zum Auftritt Reisen

Das Publikum schwitzt und genießt

Echo Online - 07. Juni 2015 - Reisen

Schwül war es am Samstagabend, als die Titanic in der evangelischen Kirche Reisen mit einem Eisberg kollidierte. Das Ensemble der Musical Factory 64853 hatte in seiner Gala neben Titeln aus besagtem Stück über den gesunkenen Passagierdampfer auch solche aus den Musicals Jekyll & Hyde, Les Miserables und Footloose an Bord. Das Publikum in Reisen schwitzte, fächelte sich mit Eintrittskarten Luft zu und genoss ansonsten die unterhaltsame Aufführung. Rund 35 Schauspielerinnen und Schauspieler wirkten in den einzelnen Szenen mit, dazu kamen noch einmal 20 Musiker und die Techniker, die für optimale Beleuchtung und Ton sorgten. Durch raffinierte Licht- und Toneffekte wurde es möglich, trotz sparsamer Requisiten verschiedenste Bühnenbilder zu zaubern. So sorgte Möwenkreischen für das Gefühl, auf dem Deck der Titanic zu stehen.

Dr. Jekyll und Mr. Hide war nur eines der Stücke, das die Musical Factory 64853 in Reisen zeigte. Foto: Evi Church

Gedämpftes und rötliches Licht deutete dagegen die schummrige Atmosphäre eines „Etablissements“ an, in das sich der Altarraum der Kirche für einige Lieder des Musicals Jekyll & Hyde verwandelte. Jenes Musical basiert auf dem berühmten Werk von Robert Louis Stevenson, wobei in der Musicalversion die (...) Liebesbeziehungen des gespaltenen Charakters zu einer ehrbaren Verlobten beziehungsweise einer Prostituierten im Vordergrund stehen. Viele der Rollen aus dem Musical Titanic basieren dagegen auf dem realen Geschehen rund um den 1912 gesunkenen Ozeanreisen. Wie die wahre Geschichte endete auch die musikalische Reise über den Ozean dramatisch. Eines der erfolgreichsten Musicals der letzten Jahrzehnte ist Les Misérables, das auf dem berühmten Roman von Victor Hugo basiert. Es wurde 1980 das erste Mal aufgeführt. In dem Stück wird das traurige Leben eines Ex-Strafgefangenen Anfang des 19. Jahrhunderts in anrührende Lieder verpackt. Den Hintergrund der Handlung bildet der Juniaufstand (…) von 1832.

Den Abschluss der Aufführung machten Teile aus einer neuen Produktion der Musical Factory. Songs aus „Footloose“ erzählen wie im gleichnamigen Kinoerfolg von 1985 vom spießigen Kleinstadtleben inklusive Tanzverbot, das von Teenagern aus der Großstadt gehörig durcheinandergewirbelt wird. Das Publikum zeigte sich beeindruckt von dem gelungenen Gastspiel der Musical Factory, das zugleich eine kleine Zeitreise vom 19. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre unternahm. Mit dem bunten Programm ausgewählter Songs aus den so unterschiedlichen Musicals konnten sie eine große Bandbreite ihres Könnens präsentieren. Die, wie es Pfarrer Spindler in seiner Begrüßung ausdrückte, „jungen und jung gebliebenen“ Mitwirkenden hatten gesanglich sowohl als Chor wie auch in den Soli die Zuschauer beeindruckt und für ihr Schauspiel viel Applaus erhalten. Das Orchester hatte ebenfalls Hervorragendes geleistet. Nur etwas mehr Eisberg hätte man sich angesichts der tropischen Temperaturen in der Kirche gewünscht.

Die Musical Factory 64853 ist ein Musiktheater, das sich unter dem Dach des evangelischen Dekanats Groß-Umstadt befindet. Der Reisener Pfarrer Helmut Spindler hatte sie 1998 zusammen mit deren jetzigem Leiter Ralph Scheiner gegründet. Spindler war damals noch Pfarrer in Lengfeld gewesen. Die Musical Factory wird von mehreren Kirchengemeinden des Dekanats gefördert. Die engagierten Menschen kümmern sich um alle Schritte bis zur Aufführung eines Musicals. Das bedeutet, dass sie die Stücke inszenieren und Choreografien ersinnen, die Musik einstudieren, Kostüme herstellen und die Bühnenbilder selbst entwerfen. Bühnentechnik und die Organisation rund um die Auftritte bewältigen die Mitglieder der Musical Factory ebenso in Eigenregie.

Musicalgala in der Kulturhalle Münster

Musical-Highlights in der Kulturhalle Münster

Die MusicalFactory 64853 aus Groß-Umstadt macht im Oktober wieder einmal Station in der schönen Münsterer Kulturhalle, und zwar mit gleich vier erfolgreichen Broadway-Musicals. Seit Beginn des Jahres arbeiten Solisten, Chorensemble, Orchester und Band an Höhepunkten aus: Jekyll & Hyde, Titanic, Les Miserables und Footloose. Das „musicalische“ Programm beginnt im düsteren London Anfang des 20. Jahrhunderts, wo der mörderische Mr. Hyde (alias Thorsten Kusch) sein Unwesen treibt. Basierend auf dem Roman „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ schrieben Frank Wildhorn und Leslie Bricusse dieses schaurig-gruselige Musical, aus dem Höhepunkte wie „Mörder“, „Fassade“ und „Konfrontation“ erklingen werden. Nur Lisa (Sonja Wendenburg) und Lucy (Melanie Wolf) halten treu zu ihrer großen Liebe, während Henry Jekyll immer mehr dem Wahnsinn einer gespaltenen Persönlichkeit verfällt.

„Gute Fahrt“ schallt es nur wenige Jahre später aus dem englischen Hafen Southampton, als die als unsinkbar geltende „Titanic“ ablegt. Keiner der Passagiere und Crewmitglieder konnte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen, wenige Tage später Opfer der eiskalten Fluten des Nordatlantiks zu werden. Voller Hoffnung auf die Neue Welt gingen auch das Liebespaar Kate McGowan (Bianca Maschemer) und Jim Farrell (Holger Martinez) an Bord.

Rund 80 Jahre zuvor, um 1830, spielten sich ebenso dramatische Szenen in den Straßen von Paris ab, als die Menschen in den Frühjahrsrevolten gegen die repressiven Monarchen aufbegehrten. In dem Musical „Les Misérables“ liefern sich Ex-Sträfling Jean Valjean (Thorsten Kusch) und Polizeiinspektor Javert (Marcel Lutz) ein erbittertes Katz und Maus Spiel auf der Suche nach Gerechtigkeit und bürgerlichem Leben.

Besonders neugierig darf man auf die Ausschnitte aus dem Musical „Footloose“ sein, das neue Musicalprojekt 2016 der emsigen Musicalgruppe. Das Gute Laune-Stück handelt von Ren (Benjamin Ganz) und Ariel (Laura Zulauf), zwei Teenagern aus dem amerikanischen Kleinstadtnest Bomont, die es nicht länger akzeptieren wollen, dass man dort per Gesetz weder Tanzen noch Feiern darf. Gemeinsam mit ihren Freunden planen sie den großen Schulabschlussball und lehnen sich damit gegen die strengen Gesetze auf.

Alle Mitwirkenden arbeiten noch fleißig jede Woche daran den „Musical-Highlights“ bis zur Premiere den letzten Schliff zu geben. Musik und Gesang, Kostüme und Bühnenbild, Staging und Choreographie und nicht zuletzt Ton- und Lichttechnik sollen dem Vergleich zum Original Stand halten.

Die Premiere findet am Samstag, den 17. Oktober 2015, um 20 Uhr in der Kulturhalle Münster statt, gefolgt von einer Nachmittagsvorstellung am Sonntag, den 18. Okt., um 17 Uhr, die besonders für Familien geeignet ist. Beide Veranstaltungen finden in Kooperation und mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Münster statt.

Bereits gestartet hat der Vorverkauf: Die Tickets kosten zwischen 13 und 20 Euro zzgl. Verkaufsgebühren, je nach Kategorie, Sitzplatz und Ermäßigung. Gruppenkarten gibt es auf telefonische Anfrage. Karten gibt es über das Vorverkaufssystem www.ztix.de, oder unter Tel. 06078/ 9198488.